Gemeinsam leben - gemeinsam lernen

Wetzlar „Unser Schulbegleitdienst ist im Gegensatz zu den klassischen Hilfedienstleistungen ein recht junger Zweig in der Malteserwelt, der aber kontinuierlich wächst“, betonte der Stadt-und Kreisbeauftragte Boris Falkenberg, als er im Rahmen des diesjährigen Neujahrsempfangs seiner Hilfsorganisation vor über 100 Gästen die Arbeit des Schulbegleitdienstes ansprach und mit Rüdiger Schaal, als Koordinator der im gesamten Lahn-Dill-Kreis tätigen Einrichtung, vorstellte.

Anschließend erläuterte Manuela Weidenmüller die Arbeit Schulbegleitung, deren Ziel es sei, Kinder und Jugendliche mit Eingliederungsbedarf in Schulen, Kindergärten und Kinderta-gesstätten zu unterstützen, damit sie den dort gestellten Anforderungen möglichst selbständig begegnen können und somit  die Teilhabe an Klassen-und Unterrichtsgeschehen gelingen kann. „Durch diesen Dienst unterstützen unsere Mitarbeiter Kinder und Jugendliche, wenn diese aufgrund einer bestehenden oder drohenden seelischen, geistigen, oder körperlichen Störung oder Beeinträchtigung an der Teilhabe am Unterricht benachteiligt sind. Um eine optimale Unterstützung und Förderung sicherzustellen, wird eine intensive Einzelbetreuung unter sozialintegrativen Gesichtspunkten umgesetzt.

Aus bescheidenen Anfängen im Jahre 1993, als Rüdiger Schaal mit einem Zivildienst-leistenden in der Schulbetreuung in Wetzlar startete, ist der Bereich auf aktuell 64 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewachsen, die an 25 Schulen im Lahn-Dill-Kreis 68 zu betreuenden Kindern und Jugendliche zur Seite stehen. Dabei haben die Schulbegleiter und Einzelhelfer im Jahr 2019 rund 36150 Betreuungsstunden geleistet. Und der Bedarf an Schülern mit Unterstützungsbedarf wächst ständig.

„Um die größtmögliche Qualität unserer Arbeit im Unterricht anzubieten, haben wir die Betreuung der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen in die Hände von pädagogischen Fachkräften gelegt, daneben gibt es bei uns auch sozial erfahrene Mitarbeiter, die diese anspruchsvolle Tätigkeit ausüben“, betonte Manuela Weidenmüller, als sie die Aufgaben einer Schulbegleitung umriss, die sich an den jeweiligen persönlichen Bedürfnissen eines Schülers orientiere. Während bei körperbehinderten Kindern die Aufgabe hauptsächlich darin, den Rollstuhl zu schieben oder einfache Handreichungen während des Unterrichts vorzunehmen, ihm bei der Aufnahme von Nahrung behilflich zu sein oder ihn beim Besuch der Toilette zu begleiten, wird der Schul-begleiter bei Kindern und Jugendlichen mit seelischen Beeinträchtigungen sein Augenmerk auf die soziale Integration richten um Verhaltensweisen zu verbessern und über die sogenannte gestützte Kommunikation die Teilnahme am Unterricht zu verbessern, wobei eine gute Zusammenarbeit mit den Lehrkräften von besonderer Bedeutung für eine positive Entwicklung ist.

„Aus den vielen positiven Rückmeldungen von Schulen aber auch von Eltern betroffener Kinder wissen wir, dass unser Dienst an den jungen Menschen sehr geschätzt wird“, so Rüdiger Schaal.

Die Bewilligung einer Teilhabeassistenz als Unterstützung für Schüler mit einer seelischen, geistigen oder körperlichen Beeinträchtigung erfolgt durch die zuständigen Fachdienste beim Lahn-Dill-Kreis bzw. der Stadt Wetzlar. Der Umfang und die Dauer der Hilfe richtet sich dabei am ermittelten Bedarf des Kindes aus; hierzu werden entsprechende Expertisen und Fachgutachten angefordert. Aufgrund der Vielzahl der Fälle, die neu oder wiederkehrend beantragt werden, kommt es mittlerweile vermehrt zu der Situation, dass zum geplanten Starttermin noch nicht geklärt ist, ob eine Begleitung stattfinden kann. Dieser Umstand wird für die Arbeit der Malteser aber auch für die betroffenen Eltern und Pädagogen zunehmend zum Spagat. „Der Grund: Mitarbeiter und Bewerber hängen in der Schwebe und orientieren sich des Öfteren anderweitig, wenn die Bewilligungen nicht rechtzeitig zum Schuljahresbeginn vorliegen“, beklagt Manuela Weidenmüller, denn der Bedarf an qualifizierten Schulbegleitern wachse stetig.  (Text Werner Volkmar)