Mohamad Osman - Ein beeindruckender Lebensweg

Mohamad Osman floh 2013 selbst aus seiner Heimat Syrien und hilft heute Geflüchteten bei der Integration in unsere Region.

2013 flüchtete er aus seiner Heimatstadt Aleppo in Syrien wegen des Bürgerkriegs in dem nahöstlichen Land. Acht Jahre später hilft er in seinem neuen zu Hause Geflüchteten den Anschluss an die Gesellschaft sowohl beruflich als auch sprachlich zu finden. Nun berichtet Mohamad Osman über seine Reise, die Veränderungen in seinem Leben sowie seiner Tätigkeit als Leiter des Integrationslotsendienstes der Malteser in Wetzlar.

Herr Osman, wie sah ihr ursprüngliches Leben in Ihrem Heimatland Syrien aus?

Ich wurde in Aleppo, einer Stadt im Norden Syriens - ungefähr so groß wie Hamburg, geboren und bin dort auch aufgewachsen. Nach dem Abitur begann ich ein Studium in Informatik und arbeitete nebenbei als Fotograf, was ich auch während meiner späteren Tätigkeit als Journalist weiterhin machte.

Weshalb sahen Sie sich gezwungen zu fliehen?

Der bis heute andauernde Syrien-Konflikt sorgte schon damals für starke Einschnitte im Alltagsleben der Bürger Aleppos und anderen Teilen Syriens. Es bildeten sich zwei Fronten, zwischen welchen man sich zunehmend eingeklemmt sah. Da ich mich für keine beider Seiten entscheiden wollte, war die Flucht der einzige Ausweg, einer Beteiligung am Konflikt zu entgehen.

Wie lief Ihre Flucht von Syrien nach Deutschland ab?

Die erste Etappe meiner Flucht führte mich in die benachbarte Türkei. In etlichen Tagen legte ich die lange Strecke dorthin zu Fuß zurück. Von dort aus ging es in einem Schlauchboot über das Mittelmeer nach Griechenland. In der EU angekommen, wurde ich in Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen zugeteilt.

Angekommen in Deutschland – Wie ging es für Sie weiter?

Der erste Eindruck war sehr positiv, die neue Kultur und Sprache nahm ich als interessant wahr und bemühte mich, diese schnellstens zu verstehen und zu lernen.
Zunächst betätigte ich mich ehrenamtlich und unterstützte schon damals neue Geflüchtete bei ihrer Ankunft in Deutschland. Später stellten mich die Malteser in Wetzlar als Koordinator für einen Integrationsdienst ein, welchen ich durch meine Erfahrungen in diesem Bereich mitaufbauen und auch prägen konnte.

Welches Aufgabenspektrum hat der Integrationsdienst der Malteser im Lahn-Dill-Kreis?

Wir erleichtern Migranten das Ankommen sowie das neue Zusammenleben. Dazu vermitteln wir sog. Integrationslotsen, ehrenamtlich engagierte Einheimische, an Geflüchtete. Diese ehrenamtlichen Helfenden unterstützen die Geflüchteten, möglichst sicher durch den bürokratischen und alltäglichen „Dschungel“ in der neuen Heimat zu navigieren, indem sie sie etwa bei Behördengängen begleiten. Gerade die Amtssprache kann hierbei eine enorme Hürde darstellen, bei denen die Integrationslotsen einen wertvollen Beitrag leisten.
Häufig sind wir Integrationslotsen der Malteser eine der ersten Kontaktpersonen für Geflüchtete, die viele Monate, manche gar Jahre auf der Flucht sind und Folter, Terror und Leid erfahren haben. Hier leisten wir auch auf der sozialen Ebene Unterstützung dadurch, dass wir für die Geflüchteten da sind und ihnen immer ein offenes Ohr bieten.

Wie wir wissen, spielt Geld in unserem Leben ebenfalls immer eine Rolle – Wer finanziert Ihr soziales Engagement?

Bis Endes dieses Jahres werden wir noch vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie durch Spenden von Privatpersonen und lokalen Unternehmen gefördert. Ab nächstem Jahr (2022) bricht die Förderung des Bundesamtes als Großteil des Budgets leider weg und wir sind ab diesem Zeitpunkt ausschließlich von Spendengeldern abhängig. Um unsere noch nicht abgeschlossene Arbeit weiterführen zu können, freuen wir uns daher über jede Zuwendung, die uns erreicht.

Was war Ihr größter Erfolgsmoment bei der Arbeit im Integrationsdienst?

Jedes Projekt, welches sich in irgendeiner Form positiv entwickelt, ist für mich persönlich ein Erfolg. Ein einzelnes Projekt hervorzuheben, würde allen anderen nicht gerecht werden.

Herr Osman, vielen Dank für das interessante Interview!

Herzlich gerne!

 

Interessierte erreichen Herrn Osman unter 06441 9494-223 oder integration-wetzlar@malteser.org.